Gedankenwelten - Weisheitsgeschichten

 

Aus dem Buch „Das Prinzip“ v. Andreas Campobasso

  

Ein großer geistlicher Lehrer klopfte eines Tages an das Tor zum Paradies.
Nach einiger Zeit kam Gott zur Pforte und fragte: “Wer ist dort? Wer klopft an?”

“Ich bin es!”, gab der Lehrer prompt zur Antwort.

“Tut mir sehr leid. Im Himmel ist gerade kein Platz.
Du musst leider wieder gehen; du kannst es ja zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal versuchen.”
Und so ging der gute Mann äußerst verwirrt von dannen. Er meditierte einige Jahre und sann über diese seltsame Zurückweisung nach. Und eines Tages ging er wieder zum Paradies und wollte um Einlass bitten. Wieder wurde ihm die Frage: “Wer ist dort? Wer klopft an?”, gestellt und wieder antwortete er:

“Ich bin es!” Und noch einmal ließ man ihn wissen, dass der Himmel im Augenblick leider überbelegt sei.

In den Jahren, die dahingingen, drang der Lehrer tiefer und tiefer in sich, meditierte und sann nach. Als schließlich sehr viel Zeit verflossen war, klopfte er zum dritten Mal an die Tür des Himmels. Und wieder fragte Gott, wer da sei.

Diesmal antwortete der Lehrer: „Du bist es“.

Da öffneten sich die Tore weit und Gott sprach: „Komm herein“.

“Lehre mich, Dich tief in mir zu suchen,
bis ich erkenne, dass Du es bist,
der zu meinem Ich geworden ist.”

 

 

Über den Reichtum

Siri besuchte den weisen, alten Mann in seiner Hütte unweit des Dorfes. Dieses Mal führte sie der Weg zu ihm, weil sie auf der Suche nach Reichtum war. Der weise, alte Mann sah Siri von weitem kommen und marschierte ihr ein Stück weit entgegen. Das erwartungsvolle Glitzern in ihren Augen war ihm nicht entgangen und bevor sie etwas fragen konnte, entgegnete er: “Ich führe dich zu deinem Reichtum.” Schweigsam wanderten sie durch den Wald bis sie zum idyllischen See in der Nähe des Schlosses gelangten. Der See war ungewöhlich klar und Siri entdeckte tief unten eine geheimnisvolle Truhe. Sie ahnte, dass darin etwas verborgen war, das sie zu ihrem Reichtum führte. Lächend nickte der Meister ihr zu. Trotzdem tauchten in Siris Kopf zahlreiche Bedenken und Fragen auf: “Ich bin keine gute Schwimmerin und tauchen liegt mir auch nicht gerade. Rentiert es sich überhaupt sich da hinunter ins tiefe Gewässer zu begeben?  Die Truhe könnte leer sein. Welche Gefahren birgt dieser See in sich?” “Den meisten Menschen geht es so”, sprach der weise, alte Mann, als ob er Siris Gedanken gelesen hätte. “In ihrem tiefen Inneren wissen sie, dass die geheimnisvolle Truhe nur darauf wartet, geöffnet zu werden. Aber sie hören nicht auf ihre innere Stimme und vertrauen ihr nicht. So suchen sie ein Leben lang nach etwas, das ihnen zu Füßen liegt.” Siri zögerte noch eine Weile, dann tauchte sie mutig hinab und öffnete die Truhe. Goldtaler und Edelsteine vom Feinsten glitzerten ihr entgegen. Siri war überwältigt von der Schönheit des Schatzes. All dieser Reichtum war für sie bestimmt! Sie fühlte unendliche Freude und Glückseeligkeit.   Erkenntnis: Jeder von uns besitzt eine reich gefüllte “Schatzkiste” aus der wir jeder Zeit schöpfen können. Wenn wir dem Ruf unseres Herzens folgen, finden wir sie und erkennen, dass wir reich sind, dies immer schon waren und immer sein werden.

 

 

 

 

Das Versteck der Weisheit

 

Vor langer Zeit überlegten die Götter, dass es sehr schlecht wäre, wenn die Menschen die Weisheit des Universums finden würden, bevor sie tatsächlich reif genug dafür wären. Also entschieden die Götter, die Weisheit des Universums so lange an einem Ort zu verstecken, wo die Menschen sie solange nicht finden würden, bis sie reif genug sein würden.

Einer der Götter schlug vor, die Weisheit auf dem höchsten Berg der Erde zu verstecken. Aber schnell erkannten die Götter, dass der Mensch bald alle Berge erklimmen würde und die Weisheit dort nicht sicher genug versteckt wäre. Ein anderer schlug vor, die Weisheit an der tiefsten Stelle im Meer zu verstecken. Aber auch dort sahen die Götter die Gefahr, dass die Menschen die Weisheit zu früh finden würden.

Dann äußerte der weiseste aller Götter seinen Vorschlag: "Ich weiß, was zu tun ist. Lasst uns die Weisheit des Universums im Menschen selbst verstecken. Er wird dort erst dann danach suchen, wenn er reif genug ist, denn er muss dazu den Weg in sein Inneres gehen."

Die anderen Götter waren von diesem Vorschlag begeistert und so versteckten sie die Weisheit des Universums im Menschen selbst.

 

 

Zwei Engel

 

Zwei reisende Engel machten Halt, um die Nacht im Hause einer wohlhabenden Familie zu verbringen. Die Familie war unhöflich und verweigerte den Engeln im Gästezimmer des Haupthauses auszuruhen.
Anstelle dessen, bekamen sie einen kleinen Platz im kalten Keller. Als sie sich auf dem harten Boden ausstreckten, sah der ältere Engel ein Loch in der Wand und reparierte es. Als der jüngere Engel fragte, warum, antwortete der ältere Engel: "Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen."

In der nächsten Nacht rasteten die beiden im Haus eines sehr armen, aber gastfreundlichen Bauern und seiner Frau. Nachdem sie das wenige Essen, das sie hatten, mit ihnen geteilt hatten, ließen sie die Engel in ihrem Bett schlafen, wo sie gut schliefen. Als die Sonne am nächsten Tag den Himmel erklomm, fanden die Engel den Bauern und seine Frau in Tränen. Ihre einzige Kuh, deren Milch ihr einziges Einkommen gewesen war, lag tot auf dem Feld. Der jüngere Engel wurde wütend und fragte den älteren Engel, wie er das habe geschehen lassen können?
"Der erste Mann hatte alles, trotzdem halfst du ihm", meinte er anklagend. "Die zweite Familie hatte wenig, und du ließt die Kuh sterben." "Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen", sagte der ältere Engel. "Als wir im kalten Keller des Haupthauses ruhten, bemerkte ich, dass Gold in diesem Loch in der Wand steckte. Weil der Eigentümer so von Gier besessen war und sein glückliches Schicksal nicht teilen wollte, versiegelte ich die Wand, sodass er es nicht finden konnte. Als wir dann in der letzten Nacht im Bett des Bauern schliefen, kam der Engel des Todes, um seine Frau zu holen. Ich gab ihm die Kuh anstatt dessen. Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen."

Manchmal ist das genau das, was passiert, wenn die Dinge sich nicht als das entpuppen, was sie sollten. Wenn du Vertrauen hast, musst du dich bloß darauf verlassen, dass jedes Ergebnis zu deinem Vorteil ist. Du magst es nicht bemerken, bevor ein bisschen Zeit vergangen ist...

 

 

Die drei Siebe

 

Zum weisen Sokrates kam einer gelaufen und sagte: "Höre Sokrates, das muss ich dir erzählen!" "Halte ein!" - unterbrach ihn der Weise, "Hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?"

"Drei Siebe?", frage der andere voller Verwunderung. "Ja guter Freund! Lass sehen, ob das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe hindurchgeht: Das erste ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?" "Nein, ich hörte es erzählen und..." "

 

So, so! Aber sicher hast du es im zweiten Sieb geprüft. Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst gut?"

Zögernd sagte der andere: "Nein, im Gegenteil..." "Hm...", unterbracht ihn der Weise, "So lass uns auch das dritte Sieb noch anwenden. Ist es notwendig, dass du mir das erzählst?"

"Notwendig nun gerade nicht..."

"Also" sagte lächelnd der Weise, "wenn es weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit."

 

 Gibt es ein Leben nach der Geburt?

Ein Zwillingspaar in der Gebärmutter unterhält sich.
„Glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?"

„Ja, ich denke schon, dass es das gibt. Unser Leben hier ist nur dazu gedacht, dass wir wachsen und uns auf dieses Leben nach der Geburt vorbereiten, vielleicht damit wir stark genug sind für das, was uns erwartet." 

„Ach was! Ich glaube nicht, dass es das wirklich gibt. Wie soll denn das überhaupt aussehen, so ein 'Leben nach der Geburt'?" 

„Na ja, das weiß ich auch nicht so genau. Aber es wird sicher heller als hier sein. Und vielleicht werden wir herumlaufen und werden mit dem Mund essen?"

„So ein Unsinn! Herumlaufen, das geht doch gar nicht. Und mit dem Mund essen, so eine komische Idee! Und überhaupt: wozu gibt's denn die Nabelschnur?"

„Doch das geht ganz bestimmt. Es wird eben alles nur ein bisschen anders!"

„Woher willst du das wissen? Es ist noch nie einer zurückgekommen von 'nach der Geburt'. Mit der Geburt ist das Leben zu Ende, danach ist alles finster und vorbei."

„Auch wenn ich nicht genau weiß, wie das Leben nach der Geburt aussieht,jedenfalls werden wir dann unsere Mutter sehen und sie wird für uns sorgen."

„Mutter? Du glaubst an eine Mutter? Wo ist sie denn bitte?"

„Na hier, überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie.Ohne sie können wir gar nicht sein."

„So ein Käse! Von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt, also gibt es sie auch nicht."

„Doch. Manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören. Oder spüren, wenn sie unsere Welt streichelt."

 

 

  Als ich mich selbst zu lieben begann

"Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit, zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin und dass alles, was geschieht, richtig ist - von da an konnte ich ruhig sein. Heute weiß ich: Das nennt man "Vertrauen".
Als ich mich selbst zu lieben begann, konnte ich erkennen, dass emotionaler Schmerz und Leid nur Warnungen für mich sind, gegen meine eigene Wahrheit zu leben. Heute weiß ich: Das nennt man "authentisch sein".
Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, mich nach einem anderen Leben zu sehnen und konnte sehen, dass alles um mich herum eine Aufforderung zum Wachsen war. Heute weiß ich, das nennt man "Reife".
Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, mich meiner freien Zeit zu berauben, und ich habe aufgehört, weiter grandiose Projekte für die Zukunft zu entwerfen. Heute mache ich nur das, was mir Spaß und Freude macht, was ich liebe und was mein Herz zum Lachen bringt, auf meine eigene Art und Weise und in meinem Tempo. Heute weiß ich, das nennt man "Ehrlichkeit".
Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund für mich war, von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen und von Allem, das mich immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst. Anfangs nannte ich das "Gesunden Egoismus", aber heute weiß ich, das ist "Selbstliebe".
Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, immer recht haben zu wollen, so habe ich mich weniger geirrt. Heute habe ich erkannt: das nennt man "Demut".
Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich geweigert, weiter in der Vergangenheit zu leben und mich um meine Zukunft zu sorgen. Jetzt lebe ich nur noch in diesem Augenblick, wo ALLES stattfindet, so lebe ich heute jeden Tag und nenne es "Bewusstheit".
Als ich mich zu lieben begann, da erkannte ich, dass mich mein Denken armselig und krank machen kann. Als ich jedoch meine Herzenskräfte anforderte, bekam der Verstand einen wichtigen Partner. Diese Verbindung nenne ich heute "Herzensweisheit".
Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen, Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen fürchten, denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander und es entstehen neue Welten. Heute weiß ich: "Das ist das Leben"!

von Charlie Chaplin


 

 

 

Das Denken setzt uns die Grenzen

 

 

Ein Mann fand bei einem Spaziergang das Ei eines Adlers. Er nahm es mit nach Hause und legte es zu den Eiern einer Henne.

Zusammen mit den Küken schlüpfte der Adler.
 

Er wuchs mit ihnen auf und dachte, er sei genauso wie seine Familie. Er lernte mit den Füßen zu scharren, Körner zu picken und zu gackern. Ab und an flatterte er mit seinen Geschwistern über den Hof.

 

Alles wäre soweit in Ordnung gewesen; wenn da nicht so eine tiefe Sehnsucht in ihm genagt hätte, dass etwas in seinem Leben fehlt.

 

Eines Tages sah er am Himmel einen wunderschönen Vogel, der anmutig und kraftvoll durch die Lüfte flog.
 

"Was ist das?" fragte er die Hennen.

"Das ist ein Adler, der König der Lüfte", gackerten sie zurück,
"aber Du bist eine Henne und kannst nicht fliegen!"

 

Der Adler am Himmel berührte seine tiefe Sehnsucht nach mehr im Leben.

 

So entschied er sich, seiner Sehnsucht zu folgen, und lernte das Fliegen. Natürlich hatte er auch Angst dabei, sich von den Anderen und deren Meinung abzugrenzen.

 

Die ersten holprigen Flugversuche taten ordentlich weh, wenn er hart auf den Boden fiel. Seine Familie gackerte sich einen. Sie fanden es witzig und lächerlich, dass gerade eine Henne fliegen lernen will. So ein dummes und törichtes Kind. Auch der Hohn und die fehlende Unterstützung seiner Familie taten ihm sehr weh.

 

Nichtsdestotrotz zupfte er sich sein Federkleid wieder zurecht und startete den nächsten Versuch. Die Sehnsucht und der Glaube gaben ihm doch die Kraft, es wieder und wieder zu probieren.

 

Eines Tages  hob er sich in die Lüfte, um seiner wahren Bestimmung zu folgen!

 

Seine Familie im Hühnerhof staunte nicht schlecht, wie er sich elegant, geschmeidig und schön durch die Lüfte bewegte. Stolz, Liebe und tiefe Achtung machten sich in ihnen breit; aber auch ein schlechtes Gewissen; denn hatten ihn nicht respektlos gehänselt und ausgelacht?